Oje, jetzt ist schon wieder so viel Zeit vergangen und ich kann mich an die ganzen Details der einzelnen Tage nicht mehr erinnern. Ja, ich weiß, dass könnte über jedem Post stehen. 😉
Svendsby

Nach den langen 3 Tagen auf dem Campingplatz in Tromsø ging es heute endlich weiter. Das Wetter war recht freundlich, wenn auch frisch. An der Temperatur sollte sich in den nächsten Tagen nicht viel ändern, zumindest nicht nach oben. Aus Tromsø heraus ging es auf einer kleinen Straße parallel zur E8. Bis die Straße irgendwann wegen einer Baustelle komplett gesperrt war. Also doch rauf auf die Hauptstraße. Zum Glück war nicht so viel los und es war auch nur für ein kleines Stück, bevor ich wieder auf die Parallelstraße wechseln konnte. Irgendwann war die kleine Straße dann zu ende, so dass ich dann doch auf E8 wechseln musste. Aber es war halb so schlimm. Nach ein paar Kilometern bog meine Route dann auf die Rv 91 ab und der Verkehr nahm noch weiter ab. Jetzt ging es aber erst mal schön den Berg hoch. Die Straße zog sich ein Tal hoch und ich merkte, dass ich doch noch nicht ganz fit war. Den Beinen fehlte einfach die Kraft. Oben ging dann wie immer wellig weiter. Bevor es hinab zum Fährhafen Breivikeidet ging. Auf der Abfahrt konnte man das schöne Bergpanorama auf der anderen Seite des Fjords bewundern. Noch faszinierender war eigentlich wie der Wind den Nebel/die Wolken vom Fjord das Tal hinauf blies. Unten am Fjord war es dann auch entsprechend windig, so dass ich Schutz hinter dem Toilettenhäuschen suchte. Von dort konnte ich dann auch gut die Kitesurfer auf dem Fjord beobachten. Denen schien dank Neoprenanzügen der kalte Wind nichts auszumachen.
Während der Fährfahrt fuhren wir durch graue Wolkensuppe, aber auf der anderen Seite des Fjords in Svendsby angekommen schien wieder die Sonne. Mir reichte es für heute trotzdem und ich schlug mein Zelt auf dem kleinen Campingplatz in der Nähe des Fähranlegers auf. Mal wieder mit 1a Fjordblick.
Am nächsten Morgen regnete es mal wieder und es war noch kälter als am Vortag. Das steigerte nicht gerade meine Motivation aufzubrechen und so beschloss ich schon wieder einen Pausentag einzulegen und den Regen aus zu sitzen. Nach der gerade einigermaßen überstandenen Erkältung wollte ich nicht wieder einen ganzen Tag im Regen fahren. So verbrachte ich den Tag mit Gammeln und Schlafen. Am Abend war ich dann sogar ganz alleine auf dem kleinen Campingplatz. Am Vorabend waren noch ein Wohnwagen, ein VW-Bus und zwei Zelte da gewesen. Die waren aber am Morgen aufgebrochen.
Fosselv

Am nächsten Morgen war es immer noch kalt und grau, aber zumindest trocken. So ging es dann für mich weiter. Zunächst folgte ich weiter dem Rv91 nach Lyngen. Dort machte ich erst mal eine kurze Pause am Supermarkt, bevor es hinab zum Fährhafen ging. Am Fährhafen hing dann eine schöne Regenwolke fest. Also Regenjacke an um beim Warten nicht klatschnass zu werden. Mit der Fähre ging es hinüber nach Olderdalen. In Olderdalen traf ich dann auf die E6, die mich ab jetzt für die nächsten Tage nach Norden begleiten sollte. Der Verkehr hielt sich in Grenze, aber trotzdem ist es auf der großen Straße vor allem mit den LKWs unangenehmer zu fahren und braucht mehr Konzentration. So wirklich viel Spannendes ist an dem Tag nicht mehr passiert und ich habe auch entsprechend wenige Fotos gemacht.
Langfjordbotn

Vom Campingplatz in Fosselv ging es weiter auf der E6. Ich kam heute selbst für meine Verhältnisse extrem spät los und irgendwie kam ich nicht in meinen Tritt. Das Wetter war grau und kalt. Und dann standen auch noch ein knapp 430m hoher und ein ein bisschen kleinerer Pass auf dem Programm. Die Steigung war zum Glück max. 7% und so ließen sich die beiden Erhebungen dann ganz gut in einem der kleinen Gänge bewältigen. Von einem Aussichtspunkt am Kvænangsfjellet hatte man einen wunderbaren Blick hinab auf den Fjord und die umliegenden Berge. Auch wenn es ziemlich kalt und windig war verbrachte ich einer relativ lange Pause dort oben. Immer wieder kamen Wohnmobile und Autos (meist Deutsche). Die Leute stiegen aus, machten ein paar Fotos und fuhren weiter. Ich genoss den Ausblick noch etwas, bevor mir dann doch zu kalt wurde und ich mich auf die kalte Abfahrt machte. Zum Glück gab es zwischendurch immer wieder kleine Gegenanstiege zum Aufwärmen. Sonst mag ich solche Wellen ja nicht, aber nach einer kalten Abfahrt sind sie gut um wieder warm zu werden. 😉
Nach dem zweiten größeren Anstieg ging es dann wellig weiter und ich war froh, als ich am Abend den Campingplatz am Langfjordbotn erreichte. Er ist der Letzte vor dem ca 80km entfernten Ort Alta und so hatte ich mir fest vorgenommen ihn zu erreichen, damit die Etappe am nächsten Tag nicht zu lang würde.
Alta

Die Etappe nach Alta folgte wieder, bis auf zwei Tunnelumfahrungen, weiter der E6. Es ging am Anfang immer den Langfjordbotn entlang. Dazu gab es kalten Gegenwind und immer wieder Nieselregen. So wurde die Etappe von häufigen Jacke-An-Jacke-Aus-Stops unterbrochen. Aber zumindest eine schöne Sache hatte der Nieselregen. Durch die trotzdem ab und zu durch die Wolke scheinende Sonne, konnte man öfters Regenbögen sehen.
Irgendwann hieß es dann kurz Abschiednehmen von der E6. Sie führte durch einen Tunnel, der für Radfahrer gesperrt war. Das war nicht so tragisch. Die Radfahrer wurde über die alte, jetzt als Radweg umfunktionierte, Straße, um den durchbohrten Berg herum geschickt. So hatte ich zumindest für kurze Zeit etwas Ruhe von dem Verkehr und zudem noch einen schönen Ausblick auf den Fjord.
Die nächsten 2 Tunnel waren nicht für Radfahrer gesperrt. Es gab zwar auf der Karte auch jeweils eine Umfahrung über die alte Straße, aber beim ersten Tunnel verpasste ich den Abzweig und beim zweiten war der Abzweig nicht vorhanden bzw. durch eine Leitplanke versperrt. Also gab es dann halt 2 mal Tunnelzeitfahren. Irgendwie versuche ich immer möglichst schnell aus dem Tunnel wieder heraus zu sein. So ganz geheuer sind sie mir ja nicht. Auch wenn die beiden Tunnel relativ neu, gut beleuchtet und belüftet waren, gab ich Gas.
Der letzte Tunnel vor Alta war dann wieder gesperrt, was mir einige Kilometer Umweg und einige Höhenmeter zusätzlich einbrachte. Dafür gab es aber wieder schöne Aussichten und ruhige Meter auf der alten Straße.
Am Ende des Tages war ich dann aber trotzdem froh in Alta zu sein. Ich war so kaputt wie lange nicht mehr und das nach knapp 80 km. Die Kombination aus einem halben Tag Gegenwind, Tunnelbolzen, noch nicht ganz überstandener Erkältung und dem kalten Wetter machte mir doch zu schaffen.
Olderfjord

Heute stand wieder ein langer Tag an. Auf den nächsten knapp 110km gab es keinen Campingplatz und ca 80km weit auch quasi keinen Ort geschweige denn einen Supermarkt. Von Alta aus ging es zunächst entlang des Fjords, bevor die Straße in ein Tal einbog, dass mich auf eine 400m hohe baumlose Hochebene bringen sollte. Eine leicht „spacige“ Landschaft. Aber zum langen Genießen war es zu kalt und zudem pfiff mir ein noch viel kälterer Gegenwind um die Ohren. In Wellen ging es über die Hochebene.Es war ein Kampf. Ich gegen den Wind, die Kälte und den zwischendurch immer wieder einsetzenden Sprühregen. Für lange Pausen war es zu unangenehm. So blieb es bei kurzen Trink- und Fotostops und einer ganz kleinen Kippe-Cola-Schokoriegelpause im Windschatten einer Touri-Informationstafel. Auf der Abfahrt von der Hochebene setzte immer wieder Sprühregen ein und ich brauchte eine Weile und mehrere Stops um herauszufinden, ob die Windjacke oder die Regenjacke jetzt besser ist. Am Ende der Abfahrt liegt der kleine Ort Skaidi, der mehr oder weniger aus einem Hotel und zwei Tankstellen besteht. Dort machte ich dann eine längere Pause. Endlich windgeschützt und etwas wärmer aus oben auf dem Plateau. Mittlerweile ist es schon nach 19:30 Uhr und es fängt so langsam an zu dämmern und ich habe immer noch etwas mehr als 20km bis zu meinem Ziel in Olderfjord vor mir. Kaum aus dem Ort Skadi heraus ging es auch schon wieder den Berg hoch. Diesmal zum Glück nicht ganz so hoch und ich lege einen Endspurt hin. Es wird immer dunkler und ich hoffe, die Autofahrer sehen mich früh genug. Zwar habe ich das Licht eingeschaltet und auch eine Warnweste über den Packsack auf dem Gepäckträger gezogen, aber so im Fastdunklen ist mir schon etwas mulmig. Aber alles geht gut. Gegen 21:00 stehe ich endlich vor dem Campingplatz. Die Rezeption hat schon geschlossen, aber es gibt eine Telefonnummer, bei der beim zweiten Versuch sogar jemand dran geht. Die Frau am anderen Ende sagte mir, dass es kein Problem sei, ich sollte mein Zelt einfach irgendwo auf einem freien Platz aufstellen.
Nach dem Duschen habe ich keine Lust mehr zu kochen und so gibt es nur Käsebrote und Kekse, bevor mir zu kalt wird und ich mich in meinen Schlafsack verziehe.
Am nächsten Morgen regnet es, wie schon in der Wettervorhersage vorausgesagt. Ich gehe zur Rezeption und frage, ob ich noch eine Nacht bleiben könnte. Die Frau sagt mir, dass es im Zelt nicht möglich sei, da über das Wochenende der komplette Platz an einen Caravanclub vermietet ist, aber sie konnte mir ein „Hostelzimmer“ anbieten, was ich angesichts der Wetterlage gerne annahm. So packte ich meine Sachen und mein klatschnasses Zelt ein und zog in das Zimmer um. Den Tag verbrachte ich dann mit Gammeln und Wäschewaschen.
Heute morgen war das Wetter dann immer noch nicht besser, so dass ich meinen Aufenthalt nochmal um eine Nacht verlängerte.
Morgen soll es laut Wettervorhersage besser werden. Es sind noch 1,5 – 2 Tage bis zum Nordkap. Der Plan ist morgen bis Honnigsvag zu kommen und von dort aus dann übermorgen zum Nordkapp zu fahren. Ich hoffe die Vorhersage behält recht und das Wetter ist am Montag auch noch gut.
Klingt leider nicht nach Badeurlaub, trotz des vielen Wassers. Wünsch dir Kraft und Gesundheit für die letzten Etappen.
Gruß M
WOW, Nordkap erreicht. Herzlichen Glückwunsch!!
Viel Spaß und Erfolg beim Rückweg 😉
Viele Grüße,
Harry