Oslo – Trondheim, über die Berge

Minnesund

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Nach dem Sightseeingtag in Oslo kommen wir morgens irgendwie nicht aus dem Bett. Oder zumindest ich nicht. Zu lange habe ich gestern Abend noch an dem letzten Blogpost gesessen. So schaffen wir es erst um kurz vor 11 Uhr aus dem Hostel auszuchecken. 11Uhr ist dort Deadline. 😉
Nach kurzer Suche sind wir dann auf unserer geplanten Route, der Radroute 7, die uns aus Oslo heraus führen soll. Es geht mehr oder weniger parallel zur Autobahn immer schön den Berg hoch durch die Vororte von Oslo. Es dauerte eine ganze Weile bis wir aus dem „Städtischen“ heraus sind und es anfängt wirklich skandinavisch auszusehen. Aber irgendwann kommen die Felder und Wäldchen mir den verstreuten roten Häusern und Höfen. Also so wie man es sich vorstellt. Am Abend erreichen wir nach einer kleine Abfahrt Minnesund und schlagen unser Lager auf dem Campingplatz direkt am See auf.

Ringsaker

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Wir starten wie immer etwas spät. (Der Satz könnte wahrscheinlich bei jedem Tag stehen, aber irgendwie kommen wir morgens nicht los, was Wohl meistens an mir liegt. Da muss ich wieder dran arbeiten. )
Der Weg führt uns am Anfang schön immer parallel zur Bahnlinie ohne große Steigungen den See entlang. Es sieht so aus, als wäre dies die alter Bahntrasse, die nach dem Neubau der zweigleisigen Trasse zum Radweg umfunktioniert wurde. Irgendwann ist der schöne Weg aber zu Ende. Jetzt geht es in zum Teil recht steilen Wellen über Schotter/Erdstraßen. Die Straßen sind eindeutig als Anbindung der verstreuten Höfe und Häuser und nicht für Radfahrer gebaut. Das ständige Auf und Ab zehrt an den Kräften. Es will sich kein Rhythmus finden, da sind mir lange stetige Anstiege 10 mal lieber. Die kurzen Abfahrten sind auch nur mäßig erholsam, da der Schotter und die Schlaglöcher ständige Konzentration erfordern. Insgesamt schlägt mir die Situation auf die Stimmung und ich komme nicht wirklich dazu die eigentlich schöne Landschaft zu genießen. Am Abend bin ich dann froh endlich auf dem Campingplatz in Ringsaker anzukommen. Christian springt zur Abkühlung nochmal in den See. Er kommt aber sehr schnell wieder. Das Wasser war wohl sau kalt und er fragte sich, wie es die anderen Leute im Wasser es so lange darin aushielten. Vielleicht sind die Norweger einfach abgehärteter.

Venabygd

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Heute sollte es dann hinter Lillehammer richtig in die Berge gehen. So war es eigentlich der Plan.
Die ersten Kilometer bis Lillehammer waren vom Profil ähnlich wie gestern. Schöne kraftraubende Wellen. Meine Stimmung war auf de Tiefpunkt und Christians Motivation für knapp 800 hm hielt sich auch in Grenzen. Vor allem, weil der Weg, der sich an der Pilgrimsruta orientierte, nach ca. 100km nochmal in das Tal hinabführen sollte, nur um dann wieder den Berg hoch zu gehen. So suchten wir während der Pause im Tal eine neue Route um uns diesen Ausflug ins Hochland zu sparen. Wir fanden eine Alternative, die bedeutete zwar weiter Wellen und ca. 8km auf der viel befahrenen E6 aber besser als „umsonst“ einen Berg hoch zu fahren.
Aus Lillehammer heraus führte der neue Weg schön entlang des Seeufers vorbei an gut besuchten Badestränden, bevor es auf kleinen Straßen mit zum Glück nur „kleinen Wellen“ nach Tretten ging. Wir hatten zwei Routen im Tal heraus gesucht. Auf dieser Flussseite ging es jetzt nur noch über die E6 weiter. Beim Anblick des vielen Verkehrs entschieden wir uns doch lieber auf die andere Flussseite zu wechseln und mehr Höhenmeter in Kauf zu nehmen. Am Anfang war die Straßen noch schön asphaltiert, aber irgendwann wurde es wieder Schotter. So ging es wieder hoch und runter bis kurz vor Ringebu. Hier hatten wir dann nur noch die Wahl entweder zurück auf die andere Flussseite und auf der E6 die letzten Kilometer bis Ringebu fahren oder ca. 500hm auf Schotter hoch und laut einem Blogpost, den ich gefunden hatte auch wieder herunter. Wir entschieden uns für die E6. Sie ist in diesem Bereich nicht mehr für Radfahrer gesperrt. Also Warnweste an und los. Auch wenn die Norweger sehr disziplinierte Autofahrer sind und meist mit sehr großem Abstand überholen, hielt sich der Spaß bei dem vielen Verkehr in Grenzen und wir waren froh, als wir in Ringebu abfuhren.
Bei einer Stärkung am Supermarkt berieten wir uns, welchen Campingplatz wir ansteuern wollten. Es gab einen im Tal etwas abseits unserer Route, das hätte aber weitere 5km E6 bedeutet. Der nächste an unserer Route lag ca. 10 km entfernt, dafür aber den Berg hoch. Wir entschieden uns für den Berg und der hatte es in sich. Es war wenig Verkehr und so konnte jeder sein Tempo fahren. Es brauchte mehrere Verschnauff- und Trinkstops bis ich endlich meinen Rhythmus gefunden hatte. Erster Gang und gleichmäßig tretend ging es bergauf. Trotzdem waren wir froh als endlich das Schild zum Campingplatz auftauchte. Wir wurden freundlich vom Besitzer empfangen, auch wenn wir ihn beim Abendessen auf der Terrasse störten. Als Belohnung für den Tag und den Berg gönnten wir uns nach dem Zeltaufstellen erst mal ein teures Norwegisches Bier. Das hatten wir uns heute echt verdient. Mit Trikot waschen (Es gab sogar einen beheizten Trockenraum.) und Kochen wurde es dann doch recht spät, so dass wir erst gegen 12 Uhr in die Zelte krochen.

Folldal

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Heute ging es direkt die letzten 200-300 Höhenmeter des Bergs hinauf. Mit jedem Meter wurde die Landschaft karger bis uns oben angekommen fast eine Mondlandschaft begrüßte. Maximal noch ganz kleine Büsche, meist aber nur noch Moose und Flechten. Schon sehr faszinierend anzusehen. Das sehen anscheinend auch viele andere Urlauber so. So waren jede Menge Wohnmobile und Wohnwagengespanne unterwegs. Oben auf der „Hochebene“ ging es noch ein bisschen auf und ab, bevor die Straße wieder hinunter in ein Tal führte, dem wir weiter folgten. In dem Tal gabe es wieder Wald und aber auch viele schöne Ausblicke auf die umliegenden Berge.
Kurz vor dem Campingplatz in Folldal erwischte uns dann doch noch ein Schauer, der sich aber zum Glück aber schnell legte. So konnten wir im Trockenen unsere Zelte aufschlagen. Der Campingplatz war insgesamt ein bisschen strange. Direkt hinter einer Tankstelle gelegen, mit einem am Abend leicht unfreundlichen Mann in der Rezeption. Wahrscheinlich hatten wir ihn einfach nur beim Fernsehen gestört.

Oppdal

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Von Folldal ging es die ersten Kilometer auf der kleinen Landstraße weiter bis wir auf die E6 abbiegen mussten. An dieser Stelle war noch ähnlich viel Verkehr, wie auf dem Stück vorgestern, aber heute gab es keine Alternativstraßen in dem sehr schmalen Tal. Zu allem Überfluss fing es dann auch noch kurz vor der E6 an zu regnen. Die Stimmung war auf dem Höhepunkt. 😉 Aber was muss, das muss. Zum Glück ging es meist bergab, so dass wir uns nicht so ganz als Verkehrshindernis vorkamen. Aber durch den vielen Verkehr, war die Fahrt sehr anstrengend und wir mussten uns sehr auf den Verkehr konzentrieren, so dass nicht viel Zeit übrig blieb um die schöne Landschaft zu genießen. An ein paar Rastplätzen oder Parkbuchten hielten wir um doch noch ein paar Fotos machen zu können. Kurz vor Oppdal, hatten wir keine Lust mehr. Der Nächste Campingplatz auf unserer Route sollte ca 50km entfernt liegen und so beschlossen wir es bei einem kurzen Tag zu belassen. Im Nachhinein war es eine gute Entscheidung, da es am späten Nachmittag heftig anfing zu regnen.

Meldal

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Am Morgen war es wieder trocken und so starteten wir auf die vorerst letzten Kilometer auf der E6, bevor wir abbogen und einem anderen Tal erst mal wieder bergauf folgten. Das Wetter wurde dann nach dem grauen Morgen doch noch wieder richtig schön. Oben am Pass kam dafür dann aber heftiger Wind auf, der uns die Abfahrt zum Teil doch arg erschwerte. Wir mussten uns teilweise richtig seitlich gegen den Wind lehnen, um nicht in die Mitte der Fahrbahn gepustet zu werden. Zum Glück war aber kaum Verkehr, so dass die gelegentlichen Schlenker kein Problem waren. In der Mitte des Tals machten wir dann Pause vor einem Supermarkt und beobachteten die Wolken, die sich drohend am Bergrücken der einen Talseite aufstauten, aber zum Glück dort hingen blieben. Nach einer schönen Abfahrt bogen wir in ein Seitental auf eine Schotterstraße ab, die uns schön durch den Wald führte. So hangelten wir uns noch weiter durch mehrere Täler bis nach Meldal. Dort ging es dann zum Campingplatz erst mal wieder 200 Meter bergauf bis zu einem kleinen See. Der Campingplatz lag nur durch die Schotterstraße getrennt sehr idyllisch direkt am See. Es war kaum etwas los. Der Großteil der Parzellen war durch Dauercamper belegt, die sich zum Teil richtige Hütten vor ihre Wohnwagen gebaut hatten. Nach dem Zeltaufbau sprang Christian erst nochmal in den See, bevor wir nach dem Duschen, gut mit Autan eingerieben zwischen den Zelten kochten. Leider gab es hier keine Küche. Dafür aber fiese Bremsen und Mücken.

Trondheim

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Heute sollte uns eine sehr entspannte kurze Etappe nach Trondheim bringen, wo wir einen Ruhetag machen wollten. Dazu buchte ich am Morgen noch schnell ein Zweierzimmer im Vandrerhejm (Jugendherberge), da der nächste Campingplatz ca 10km von Trondheim entfernt gewesen wäre.
Die ersten 30km hangelten wir uns über endlose, aber gut fahrbare Schotterpisten verschiedene Täler entlang, bevor es dann auf Asphalt eine schöne Abfahrt ins Tal der/des Gaula hinab ging. Dem Tal folgten wir weiter Flussabwärts, bis die Route sich vom Fluss entfernte und der letzte Anstieg vor der Abfahrt hinab nach Trondheim anstand. So langsam wurde es insgesamt auch urbaner und der Verkehr nahm zu. Aber es gab jetzt meist gut ausgebaute separater Radwege.
Als wir kurz vor dem Vandrerhejm waren fing es dann mal wieder an zu regnen, aber das war uns jetzt egal. Wir mussten ja kein Zelt mehr aufbauen und eine trockene und warme Unterkunft wartete auf uns. In der Jugendherberge angekommen, bezogen wir erst mal unser Zimmer, bevor wir noch einen kurzen Ausflug zum Supermarkt machten. Das Zimmer liegt in einem Nebengebäude, das wohl im Winter als Studentenwohnheim genutzt wird. So teilen wir uns zusammen mit 2 anderen Zweierzimmern, von dem aber nur eins belegt ist, ein großes Wohnzimmer mit Küche und ein Bad. Normalerweise ist es wohl eine 3er StudentenWG.

Ruhetag in Trondheim

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Heute also mal wieder ein Ruhetag. Also die üblichen Aktivitäten, wie Ausschlafen, Sightseeing, Wäschewaschen, Blogschreiben und Füsse hoch legen. 😉

 

Und hier noch jede Menge Fotos: 

Ein Kommentar bei „Oslo – Trondheim, über die Berge“

  1. 625 km und dabei hoch auf 1000m mit 6000 m Steigung und 6000 m Gefälle, das ist eine Leistung.
    Warum morgens früh aufstehen wenn die Tage abends nicht enden
    Aber den Bildern nach habt ihr wenigstens schönes Wetter, wir haben die Strecke in zwei Tagen gemacht und nur Regen gehabt Punkt da habt ihr echt Glück.
    Hoffen wir das euch das Wetter weiter hold ist, die Berge bleiben euch auf dem nächsten Teilstück erhalten.
    M

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